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Archäologisches Gebiet „Casarini“

Archäologisches Gebiet „Casarini“

Archäologie
Epoche
1. Jahrhundert n. Chr. – Mittelalter
Die Beschreibung

Römische archäologische Anlage auf dem Vorgebirge des Circeo, Teil des dichten Netzes von Wohn- und Landgütern, die nach den Studien der Denkmalbehörde in diesem Gebiet inzwischen zu Hunderten zählen. Der Komplex der Casarini gehört zu den wissenschaftlich bedeutenden Stätten rund um das Hafengebiet von Torre Paola und die Villen am See und zeugt davon, wie dicht das Vorgebirge in römischer Zeit besiedelt war.

Die archäologische Stätte der Casarini liegt auf der gleichnamigen kleinen Halbinsel am Südufer des Paola-Sees. Sie ist besonders interessant, weil sie Spuren von mindestens vier Bauphasen trägt: zwei römischen, einer mittelalterlichen und einer aus dem 18. Jahrhundert. Der Ortsname scheint mittelalterlichen Ursprungs zu sein und auf die Tätigkeit der casari, der Käsemacher, zurückzugehen, die die hier lebenden Mönche ausübten. Der Ort ist sehr stimmungsvoll: Man erreicht ihn über einen schönen Waldweg, auf dem man die zahlreichen Vögel der Feuchtgebiete des Parks beobachten kann. Nun zur Stätte selbst. Die ältesten Zeugnisse stammen vom Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. und sind vom See aus zu sehen, wenn man die Halbinsel mit Kanu oder Boot umrundet. Sie liegen am Nordufer, wo man die Reste einer Uferbefestigung in opus reticulatum erkennt, die angelegt wurde, um den natürlichen Geländeverlauf auszugleichen und eine Ufermauer zu schaffen. Betritt man die Anlage vom Land her, gelangt man in den südöstlichen Bereich; die ersten, umfangreicheren Reste gehören zu einer späteren Phase aus flavisch-domitianischer Zeit. Dazu zählen Räume und Mauern in mehrfarbigem opus reticulatum aus Tuff und Kalkstein sowie in opus latericium, beide Teil einer mehrstöckigen Villa. Diese Bauten scheinen sich um einen elliptischen Raum zu gruppieren, zu dem eine mit cocciopesto (hydraulischem Mörtel) verkleidete Treppe von den darüberliegenden Räumen zu einem kleinen, mit Marmor belegten Absatz hinabführt. Der elliptische Raum hat mehrere Öffnungen zum See und könnte als Durchgang vom Ufer zur darüberliegenden Villa gedient haben. Zahlreiche Funde aus dem ganzen Gelände bestätigen die rege Nutzung der Stätte in der Kaiserzeit, zwischen dem 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. Zur Villa gehörte wohl auch der große rechteckige Saal mit Flügeln und exedraförmigem Vorbau in Ziegelmauerwerk, der an der äußersten Spitze der Halbinsel über den See ragt. An seinen Wänden erkennt man Spuren von Wandheizröhren, die ihn als tepidarium oder caldarium, also als Bad der Villa, ausweisen. Der Wohnsitz muss einem wohlhabenden Herrn gehört haben, der sich nichts versagte! Dafür spricht auch ein großes, mit cocciopesto ausgekleidetes Becken mit Resten von Marmorplatten im rechteckigen Saal. Zwischen diesem Raum und der Exedra auf der unteren Ebene sind gut erhaltene Reste eines Fischgrätpflasters zu sehen. Nach heutigem Kenntnisstand ist der Komplex ab der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. zu datieren, wohl gleichzeitig mit der regen Bautätigkeit, die das ganze Seegebiet erfasste, besonders die Örtlichkeit Palazzo mit der prächtigen Kaiservilla. Nach der Römerzeit erlebte die Anlage eine dritte, mittelalterliche Bauphase zwischen der Mitte des 12. Jahrhunderts und der Ankunft der Templer in der nahen Kirche Santa Maria della Sorresca im 13. Jahrhundert. Den rechteckigen Saal der römischen Thermen bauten die Mönche zu einer kleinen Einsiedelei und einem Kloster um, eingebunden in die Kette der Wehrkirchen an den Ufern des Sees. Der mittelalterliche Bau entstand auf dem römischen Saal, dessen Umfassungsmauern als Grundlage für die Seitenwände dienten – Lagen aus Kalk- und Tuffsteinquadern im Wechsel mit Ziegellagen –, während die Exedra als Apsis genutzt wurde. Die Mauertechnik ähnelt der des Glockenturms der nahen Sorresca-Kirche (zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts) und ist vor allem durch die für das Mittelalter typische Wiederverwendung römischer Baumaterialien geprägt. Die spolia, also die Schmuckelemente, wurden ohne Rücksicht auf ihre ursprüngliche dekorative Ordnung in den Mauerflächen oder an besonders beanspruchten Stellen wie Ecken und Sockeln verbaut. Eine letzte Bauphase, die Erneuerung des Daches, geht wahrscheinlich auf Monsignore Callicola zurück, Schatzmeister Innozenz’ XIII., der im 18. Jahrhundert den Auftrag erhielt, den Kanalhafen von Paola und die zugehörigen Anlagen zu restaurieren.

Praktische Hinweise

Besichtigung

Besichtigung auf Anfrage bei der Denkmalbehörde für Archäologie des Parks.